Erfahrungen

Manchmal muss man einen Wettkampf einfach unter „Erfahrungen“ abhaken und dann ganz schnell vergessen.

So schrieb ich vor ein paar Tagen auf Facebook. Das ist aber manchmal leichter geschrieben als tatsächlich auch gemacht.

Der Wettkampf in Brügge sollte eigentlich ein besonders schöner werden. Wer Brügge kennt, weiß dass es ein herrliches Städtchen ist. Idyllisch liegen die Kanäle in der Innenstadt vor malerischer Kulisse. Touristen aus aller Herren Länder besuchen die Stadt wegen ihrer Ausstrahlung. Ich radele des öfteren von Middelburg aus hierhin. Meistens allerdings nur um das Ortsschild kurz abzuklatschen und wieder umzudrehen. Manchmal nehme ich mir aber auch Zeit für einen Kaffee in der Innenstadt.

Der Triathlon dort ist so populär, dass er immer sehr schnell ausgebucht ist. Letztes Jahr wollten wir schon auf der Kurzdistanz starten, hatten aber keinen Startplatz bekommen. Als ich dann las, dass es dieses Jahr zum 10-jährigen Jubiläum erstmals eine Halbdistanz geben sollte, war schnell klar: Da sind wir dabei. Gesagt, getan. Die Startplätze waren wieder rasend schnell weg (12 Sekunden(!!) aber Beate, Ilona, Isa, Laurenz, Joachim und ich standen auf der Startliste. Die erste Hürde war gemeistert.

Zum Wettkampf und zum drumherum könnte ich viel erzählen. Von falsch gelieferten Mietwagen, von vergessenen Neopren-Anzügen, von zu wenig gelaufenen Runden, von Regen oder Wind, von abreißenden Fahrradventilen oder von Leuten die zu schnell in eine nasse Kurve fahren obwohl da jemand steht, der verzweifelt ruft, dass die Kurve gefährlich sei. Mach ich aber nicht.
Wie sagt man so schön: Am A. sind die Enten fett. Und genau da ging in Brügge überhaupt nichts. Das Laufen hat sich in der letzten Zeit zu meiner Lieblingsdisziplin entwickelt und das hilft im Triathlon besonders. Am Ende, wenn es eh am Schwersten wird, freue ich mich auf’s Laufen. Junge, das kannst Du. Jetzt los und lauf das Ding nach Hause.

Tja, und was war? Nix war. Es ging einfach nicht. Ich kam nicht in die Gänge, wurde überholt und überholt. Eigentlich wollte ich schon in der ersten Runde aussteigen, aber das ging natürlich auch nicht. Ich habe bis jetzt noch nie einfach so aufgehört. Dann halt etwas langsamer und langsamer und noch langsamer. Es war unglaublich. Der Aufdruck von quäldich.de auf meinem Zweiteiler war Programm. Ich quälte mich, die Strecke quälte mich. Runde für Runde dachte ich nur an eins. Wann ist das hier endlich vorbei?
Irgendwann war es das dann auch. Punkt.Aus.Vorbei.

Die langen Wege in Brügge, die späte Startzeit und damit verbunden auch die späte Finishzeit sorgten dafür, dass ich erst um 00:30 Uhr zu Hause war.

Was war denn jetzt eigentlich passiert? Nun ja, im Prinzip nichts. Es war halt ein Wettkampf, der absolut anders verlief als geplant. Und je mehr Abstand ist dazu habe, umso mehr weiß ich, dass ich das nicht überbewerten sollte. Laufen bleibt meine Lieblingsdisziplin und nächstes Mal heisst es: Neues Spiel, neues Glück.

Also doch:
Manchmal muss man einen Wettkampf einfach unter „Erfahrungen“ abhaken und dann ganz schnell vergessen.

Und wenn ich das nächste Mal wieder mit dem Rad nach Brügge komme, dann freue ich mich über die schöne Strecke dorthin, die schöne Innenstadt, klatsche das Ortsschild ab und fahre wieder nach Hause. Und ganz sicher werde ich mir dann ein Lächeln nicht verkeifen können.

6 Kommentare auf “Erfahrungen”

  1. Dagmar sagt:

    Auswerten, Analysieren, Abhaken!!!

    LG
    Dagmar

  2. Maria sagt:

    Tja… sowas gibt es auch… und irgendwie kommt es mir bekannt vor ;). Beim nächsten Mal läuft es wieder besser, und dann ist Brügge endgültig vergessen!

    LG, Maria

  3. Mathias sagt:

    Brügge sehen und sterben… Vielleicht hat der Ort Karma 😉 Du hast gefinisht und das hat sicher Überwindung gekostet. Respekt!

  4. Beate sagt:

    Erfahrungen, lieber Günter, konnten wir in Brügge reichlich sammeln. Und ich denke sie werden für weitere Wettkämpfe wertvoll sein. Aber auch bei diesem Wettkampf stimmt es das „die Enten am A. fett sind“, denn wir haben das Ding gefinisht!!! Was das Laufen angeht, geht es mir ja ähnlich; es war alles dass ich in der letzten Runde nicht gegangen bin, und das frustet, lief es doch in der ersten Runde super. Und dito, meine Lieblingsdisziplin bleibt das Laufen auch, auch wenn’s in Brügge nicht wie geplant lief (ist mir ….:-)) Auf geht’s! Mit neuen Erfahrungen zu neuen Abenteuern! LG Beate

  5. Ilona sagt:

    Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen! Ich habe gelernt! Wettkampferfahrung halt!

  6. Günter sagt:

    Nachtrag: Nach der heutigen Garmin-Auswertung von Beate’s Daten stellt sich heraus dass Beate, Joachim und ich eine Runde zu viel gelaufen sind. Das ist der Hammer. Die Strecken- und Rundenangaben in Brügge waren völlig verdreht. Das ist mir auch noch nie passiert. Aber: Ik freu mir 😉 Alles ist relativ.
    „Geschichte wird gemacht, es geht voran“.

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