6 – x

Antwerpen Ironman 70.3Die erste Teilnahme an einem Ironman 70.3 und somit auch der erste Start über diese Distanz (1,9/90/21,1) sollte mein Saisonhöhepunkt in diesem Jahr sein.
Start ist erst ab 11:00 Uhr, somit kann ich noch gemütlich zu Hause frühstücken, bevor ich mich auf den Weg nach Antwerpen mache. Da der Coach in Kanada weilt, um dort an den World Police an Fire Games teilzunehmen und die Co-Trainerin gesundheitlich leicht angeschlagen ist, mache ich mich also alleine auf den Weg. Die Wettervorhersage verspricht nichts Gutes. Während es in Zeeland nur leicht tröpfelt, schüttet es in Belgien wie aus Eimern. Das kann ja heiter werden. In Antwerpen angekommen lässt der Regen etwas nach. Ich suche mir einen Parkplatz, ziehe mich um und packe mein Rad aus.
In Antwerpen gibt es 2 Wechselzonen. Die Laufklamotten für die Wechselzone 2 habe ich gestern bereits abgegeben, somit kann ich direkt zur Wechselzone 1 und zum Schwimmstart radeln. Der Check-in geht schnell und die Wechselzone ist übersichtlich aufgebaut. Jeder hat einen festen Platz. Der Regen wird wieder stärker und dazu gesellt sich noch ein kalter Wind. Alle ziehen so schnell wie möglich ihren Neo an, um wenigsten ein wenig geschützt zu sein. Ich überlege, ob ich später mit Regenjacke fahren soll oder nicht. In dem Moment kommt wieder ein Eimer Wasser runter und die Entscheidung ist gefallen. Zum ersten Mal werde ich wohl einen Triathlon mit Regenjacke fahren.
Langsam begeben sich alle zum Start. Die Pro’s starten um 11:00 Uhr, danach die Agegrouper in 6 Wellen. Ich bin in der letzten Welle, werde also wieder mal von hinten starten. Bei meinen Schwimmqualitäten, bedeutet das: Von ganz hinten!
Aber egal. Die Taktik „Einsamer Wolf“, von Co-Trainerin F. vor zwei Jahren „erfunden“, kommt heute wieder zum Tragen. Egal was vor mir passiert, ich mach mein Ding und greife von hinten an.
Mein Ziel heisst heute: 6 – x.
1 Stunde Schwimmen, 3 Stunden Radfahren und 2 Stunden Laufen, macht zusammen 6.
Bei jeder Disziplin gilt es also x Minuten rauszuholen.
Um 11:17 Uhr startet mein Gruppe und, oh Wunder, das Schwimmen funktioniert gut. Ich schwimme ruhig, konzentrier mich auf Christian’s Anweisungen (Kopf tiefer, beim Atmen nur leicht seitlich usw. usw.) und kraule die ganzen 1900 Meter durch. Das ist schon mal der erste Sieg.
Raus aus dem Wasser, rein in’s Wasser. Es regnet weiter gnadenlos und der Wind ist auch nicht wärmer geworden. Auf dem langen Weg durch die Wechselzone wird klar: Regenjacke ist angesagt, vor allem gegen die Kälte.
Und dann endlich meine Lieblingsdisziplin. Trotz Kälte und Regen fühle ich mich von Anfang an wohl auf dem Rad. Ich habe Lust!!! Mache also ordentlich Druck und gebe richtig Gas. Mein Rad läuft super, ich sitze gut, alles passt. Die Strecke läuft durch das Hafengebiet von Antwerpen. Unterwegs laufen viele Eisenbahnschienen quer über die Strecke, die aber alle mit Matten abgedeckt sind. Trotzdem rappelt es ordentlich und links und rechts liegen Flaschen, Riegel, Schläuche und was man sonst noch so verlieren kann. Beim km 28 überholen mich die Pro’s, die da aber schon in der zweiten Runde sind. Mann, sind die schnell. Ich gebe alles aber sie fliegen nur so an mir vorbei. Wahnsinn, was die drauf haben.
Bei km 40 hört der Regen auf und die Strecke trocknet langsam ab. Leider fängt es später wieder an und auf den Gegenwind-Passagen bläst es mir verdammt kalt um die Ohren. Ich freue mich über meine Regenjacke.
Endlich geht es wieder in das Zentrum von Antwerpen. Ich rolle „langsam“ aus und fahre in die Wechselzone. Ein Blick auf meine Zeit sagt mir, dass ich schnell unterwegs war und die 3 Stunden um 15 Minuten unterboten habe. Prima. Jetzt noch Laufen.
Junge, das fällt schwer. Nach wenigen Metern biegt man auf den Großen Markt ab. Hier ist auch das Ziel. Der Markt steht voller Zuschauer, die einen begeistert anfeueren. Eine große vollbesetzte Tribüne macht das Ganze komplett. Klasse. Es geht in die erste von 3 Runden. Die Laufstrecke verläuft durch die Antwerpener Innenstadt. Der Regen hört auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Die vielen Zuschauer entlang der Strecke entschädigen für die verregnete und einsame Radstrecke. Aber das Laufen fällt trotz den jetzt immer besser werdenden Bedingungen viel schwerer als das Radfahren. Ich bin nun auch schon fast vier Stunden unterwegs und merke dass meine Kräfte schwinden. Aber ich beisse die Zähne zusammen und laufe einfach immer weiter. Jede Runde über den Großen Markt gibt wieder neuen Optimismus. 6 – x ist die Devise und ich spüre, dass es klappen kann. Ich habe keine Ahnung wie schnell oder langsam ich geschwommen bin, weiß aber, dass ich 15 Minten beim Radfahren rausgeholt habe. Und 10-15 Minuten dürften auch beim Schimmen drin gewesen sein. Also auch wenn ich die 2 Stunden beim Laufen nicht unterbiete, kann ich mein Ziel trotzdem erreichen. Aber sicher ist sicher. Nicht nachlassen. Ich motiviere mich dauernd selbst und das klappt auch ziemlich gut. Plötzlich höre ich meinen Namen. Eric vom Herentalse Triathlon Club ist an der Strecke und feuert mich an. Gutes Gefühl.
Die letzte Runde. Jetzt kann nichts mehr schief gehen. Jede Kurve nur noch einmal. Jede Straßenecke nur noch einmal. Und endlich gibt es das letzte von 3 Bändchen. Jetzt nur noch 1 km bis zum Ziel. Ich gebe nochmal richtig Gas und laufe auf den Großen Markt. Die Tribüne klatscht nur für mich, ich reiße die Arme hoch und laufe überglücklich in’s Ziel ein. Hinter der Finishline überreicht mir Marc Herremans persönlich die Medaille. Wer ihn und seine Geschichte kennt, kann sich vorstellen, dass ich darauf besonders stolz bin.

6 – x war die Aufgabe.
05:22:36 ist das Ergebnis.

Ich lese die Zeit auf der Anzeigetafel und kann es zuerst nicht glauben. Ich warte im Ziel bis die vorläufigen Ergebnisse aufgehangen werden und siehe da: Es stimmt.
Schwimmen: 38:37, Radfahren 02:45:23 und Laufen 01:53:53
Damit bin ich tatsächlich in allen drei Disziplinen unter meiner Vorgabe geblieben. Sogar deutlich. Ich bin total begeistert, geniesse noch etwas die Atmosphäre auf den Großen Markt und mache mich dann auf den Weg in die Wechselzone um mein Rad abzuholen. Schnell noch eine SMS an Co-Trainerin und Coach und ab geht’s zurück nach Middelburg.
Mein erster Ironman 70.3 ist Geschichte. Es war anstrengend, aber es war super. Diese Gefühl beim Zieleinlauf ist einfach unbeschreiblich und entschädigt für alles. Im Ziel ist man der Größte und unglaublich stolz auf sich selbst.
In der nächsten Woche schalte ich einen Gang zurück um dann danach wieder in’s Training einzusteigen. In vier Wochen starte ich beim Zwintriathlon in Sluis/Knokke.
Wer rastet, der rostet.

Ein Kommentar auf “6 – x”

  1. BirdBlok sagt:

    Ungelaublich!!

    Heel goed van je, geweldig!

    Du bist ganz gut 😉
    Veel succes met je verdere voorbereiding,
    Birdy

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